
Klassische
Homöopathie
Homöopathie ist ein
spezielles Heilverfahren, das von dem Arzt Samuel
Hahnemann vor etwa 200 Jahren entdeckt und seit
dieser Zeit verbessert und weiterentwickelt wurde.
Hahnemann formulierte 1810 das Heilgesetz ‚Ähnliches
werde mit Ähnlichem geheilt’. Später fand er heraus,
dass die Wirksamkeit seiner Arzneien mit der so
genannten Potenzierung (Verdünnung und
Verschüttelung) noch erhöht werden konnte und
gleichzeitig die ‚Nebenwirkungen’ erheblich
reduziert werden konnten.
Das Kernstück der
Behandlung ist die Befragung, die Anamnese. Nur eine
geschickte Fallaufnahme und das Aufspüren der für
den Patienten, bzw. Krankheitsfall, typischen
Besonderheiten führt zum Erfolg.
Unvoreingenommenheit des Behandlers und Offenheit
des Patienten sind Grundvoraussetzungen für die
richtige Wahl des einzigen Mittels.
In meiner
Ausbildung in Klassischer Homöopathie bei Karl-Josef
Müller in Saarbrücken habe ich gelernt, die
Symptomatik eines Patienten so zu analysieren, dass
es mir möglich ist, auch kleine und unbekannte
homöopathische Arzneimittel sicher zu verordnen. Das
Zusammenspiel von homöopathischem Wissen mit
Erkenntnissen aus anderen Geistes- und
Naturwissenschaften ist dazu ein genialer Ansatz.
Die anschließende Ausarbeitung des Falles, das
Ordnen der Symptome nach Wertigkeit und die
anschließende Repertorisation können sehr
zeitaufwendig sein und erfolgen meist nach der
Konsultation.
„Die Homöopathie
heilt einen höheren Prozentsatz von Krankheitsfällen
als andere Behandlungsmethoden. Sie ist ohne Zweifel
sanfter und kostengünstiger als andere
Therapieverfahren und die vollkommenste medizinische
Wissenschaft überhaupt.“
Mahatma Gandhi

Literaturempfehlung:
Karl-Josef Müller -
Klassische Homöopathie - Kleine Praxiseinführung für
Patienten
Wer hier noch
mehr wissen möchte, der lese einfach weiter …
Was ist
Klassische Homöopathie
Weit verbreitet ist
die Auffassung, Homöopathie sei identisch mit
Naturheilkunde und „Homöopath“ sei nur ein anderer
Ausdruck für Heilpraktiker. Pflanzenheilkunde,
Akupunktur, Chiropraktik, Neuraltherapie oder
Augendiagnose sind Therapieverfahren die von
Heilpraktikern häufig angewandt werden, haben jedoch
nichts mit Homöopathie zu tun. Homöopathie ist eine
eigenständige Heilweise, die eine gesonderte
Ausbildung erfordert.
In ihrer Denkweise
und in ihrem therapeutischen Vorgehen unterscheidet
sich die Homöopathie grundlegend von der
Schulmedizin. Sie orientiert sich am ganzen Menschen
und nicht nur an einzelnen isolierten Symptomen.
Denn letztlich gibt es keine Krankheiten, sondern
nur kranke Menschen.
Was heißt
Homöopathie eigentlich?
Der Begriff
Homöopathie leitet sich vom griechischen „homoion
pathos“ her, was soviel heißt wie „ähnliches
Leiden“.
Deshalb heißt auch
das therapeutische Prinzip der Homöopathen: „Similia
similibus curentur“ - Ähnliches möge mit Ähnlichem
geheilt werden.
Im Gegensatz dazu
ist das Prinzip der Schulmedizin (= Allopathie): „Contraria
contrariis curentur“, was aussagt, dass man mit dem
Gegensätzlichen heilen möchte.
Wie ist Hahnemann
auf die Idee gekommen, dass es besser sein könnte,
mit dem Ähnlichen zu heilen, als mit dem
Gegensätzlichen?
Von den derzeitigen
Behandlungsmethoden der Medizin enttäuscht, machte
Hahnemann seine ärztliche Praxis wieder zu und
verdiente seinen Lebensunterhalt mit dem Übersetzen
von wissenschaftlichen Werken. So übersetzte er auch
die Arzneimittellehre des berühmten schottischen
Pharmakologen William Cullen. Besonderes Interesse
hatte Hahnemann an der Arznei Chinarinde, denn diese
wurde bereits seit 300 Jahren erfolgreich bei der
Behandlung von Malaria verwendet, und ihre gute
Heilwirkung hatte sich immer wieder bestätigt.
Hahnemann war
jedoch unzufrieden mit Cullens Erklärung, dass die
Chinarinde das Wechselfieber (Malaria) durch die
darin enthaltenen Bitterstoffe heile; denn
schließlich gibt es viele Pflanzen mit Bitterstoffen
So kam es zum sogenannten Chinarindenversuch:
Hahnemann nahm dieses Mittel - als Gesunder - selbst
einige Tage lang ein, um die Wirkung auf den
menschlichen Organismus zu ergründen. Die Symptome,
die sich dann einstellten, waren denen der Malaria
äußerst ähnlich! Hahnemann entwickelte daraufhin die
Theorie, dass eine Substanz, die bestimmte Symptome
in einem Gesunden hervorrufen kann, die gleichen
Symptome bei einem Kranken zu heilen vermag.
Daraufhin
experimentierte er mit anderen Heilmitteln und
Substanzen an sich selbst, an seiner Familie und
seinen Freunden und baute eine umfangreiche Materia
medica (Arzneimittellehre) auf. Solche Prüfungen
wurden damals wie heute immer wieder mit neuen
Substanzen durchgeführt, d.h. es kommen ständig neue
geprüfte Arzneimittel dazu.
Die
homöopathische Arzneimittelprüfung (AMP)
Die Testsubstanz
wird täglich von gesunden Männern und Frauen
eingenommen, wobei die Substanz diesen selbst
unbekannt ist. Alle darauf folgenden
Befindensveränderungen (körperliche, seelische und
geistige) werden peinlich genau registriert. Diese
Symptomenbilder oder „Arzneimittelbilder“ kann man
dann in der Materia medica nachlesen.
Beispiel: die
Küchenzwiebel ruft beim Gesunden Augenbrennen mit
reichlich mildem Tränenfluss hervor, die Nase läuft
wässrig und scharf; im Freien sind diese
Erscheinungen schwächer. Nach dem Ähnlichkeitsgesetz
wird deshalb die Zwiebel in der Homöopathie bei
Schnupfen oder Heuschnupfen mit ähnlichen Symptomen
angewandt
Ein anderes Beispiel, das sogar in der Schulmedizin
angewandt wird, ist: Erfrierungen werden mit Kälte
behandelt!
Und Verbrennungen
würden auch besser mit Wärme behandelt werden als
mit Kälte, denn die Kälte hilft nur kurzfristig und
der Schmerz kommt danach zurück; während bei
Wärmeanwendung der Schmerz zunächst etwas intensiver
wird (Erstverschlimmerung), dann aber schnell
nachlässt.
Anmerkung:
-
Zur
Herstellung homöopathischer Medikamente sind
also keine Tierversuche notwendig!
-
Die meisten
Menschen wissen nicht, dass ein Großteil der
schulmedizinischen Medikamente nicht an Kindern
getestet worden ist! D.h., die Wirkung auf
Kinder erst einmal nur erraten werden kann!
Zu Hahnemanns
Anfangszeit gab es jedoch noch ein Problem, sowohl
bei den Prüfungen, als auch bei den therapeutischen
Anwendungen: Die Giftigkeit vieler Stoffe! Z.B.
Arsen oder Eisenhut (Aconitum napellus). Zu diesem
Problem fand Hahnemann folgende Lösung:
Die Potenzierung
So begann
Hahnemann, die Stoffe zu verdünnen. Dieses
reduzierte zwar die Nebenwirkungen aber leider auch
im gleichen Maße die Wirkung! Daraufhin entwickelte
Hahnemann die Methode der Potenzierung: Schrittweise
Verdünnung und Verschüttelung der
Arzneimittellösung.
Es zeigte sich,
dass sich die Negativreaktionen nach jedem
Verdünnungsschritt verminderten, und die Heilungen
sogar beschleunigten! Die so hergestellten
Arzneimittel nannte er potenzierte oder dynamisierte
Arzneimittel.
Durch das
Verschütteln wird anscheinend eine spezifische
Energie freigesetzt und auf das Lösungsmittel
übertragen. Je höher eine Potenz ist, desto
intensiver und langdauernder ist die Wirkung eines
Mittels. An diesem Punkt, der extremen „Verdünnung“
der Substanzen setzen häufig die Kritiker der
Homöopathie an und behaupten, hier könne doch gar
keine Wirkung mehr möglich sein, da letztlich doch
gar kein Molekül der Ausgangssubstanz mehr vorhanden
sei. Aber schon seit Albert Einstein gilt es als
unumstritten, das Materie letztlich nichts anderes
ist als ein Energiezustand! Weiß doch heute jeder,
welche enormen Energien bei Atomzertrümmerung oder
-fusion frei werden (Atom = kleinste chemische
Einheit!). Wer hätte sich das vor nur 100 Jahren
schon vorstellen oder gar erklären können?
Homöopathische
Mittel werden in der klassischen Homöopathie meist
als Globuli (mit der Arznei beträufelte
Zuckerkügelchen) oder als Tropfen gegeben. Häufig
genügt z.B. auch eine Einmaldosis von nur 2 oder 3
Kügelchen um eine Heilung einzuleiten! Eine mögliche
Gefahr in der Homöopathie liegt in der falschen
Dosierung, dass ich z.B. 3x täglich 5 Globuli
einnehme, womit ich sog. Prüfungssymptome
hervorrufen kann, also Symptome, die von der Arznei
herrühren. (Man könnte auch im schulmedizinischen
Sinn von „Nebenwirkungen“ sprechen.) Um dies zu
vermeiden gibt ein klassisch arbeitender Homöopath
niemals kurz hintereinander das gleiche Mittel in
der gleichen Potenz, sondern verändert z.B. in
Akutsituationen, wo mehrere Gaben des Mittels
erforderlich sein können, die Potenz wieder durch
erneutes Verdünnen und Verschütteln.
Die klassisch
homöopathische Behandlung
Der Patient
berichtet dem Homöopathen in einer Erstsitzung
(Dauer meist 1 - 2 Stunden) seine Beschwerden in
allen Einzelheiten, erzählt seine gesundheitliche
Vorgeschichte und wird nach verschiedenen Dingen
befragt, z.B. nach seiner Reaktion auf
Umwelteinflüsse, seinem Wärmehaushalt,
Schlafrhythmus, Träumen, psychischen Besonderheiten,
u.s.w.. Es wird also der ganze Mensch in Augenschein
genommen und nicht nur seine körperlichen
Beschwerden.
Danach arbeitet der
Behandler alle Angaben und Beobachtungen aus und
verabreicht dem Patienten ein Mittel, nämlich das,
welches im Wesen seines Arzneimittelbildes dem Wesen
des Patienten mit seinen Beschwerden am meisten
ähnelt.
Es wird ein Termin
zur Besprechung der Reaktion auf das Mittel
anberaumt. Diese Folgesitzung nimmt dann nicht mehr
soviel Zeit in Anspruch. Hier wird entschieden, ob
man weitere Reaktionen abwartet, das gleiche Mittel
in anderer Potenz gibt, oder ob man zu einem anderen
Mittel überwechselt. Weitere Besprechungen folgen in
mehrwöchigen / mehrmonatlichen Abständen, je nach
Art und Dauer der Erkrankung. Bei fortschreitender
Genesung wird die Zeitspanne zwischen den
Konsultationen immer größer, bis der Patient geheilt
ist und keiner weiteren Behandlung mehr bedarf.
„Unklassische“
Homöopathie
Die Verabreichung
z.B. über Wochen 3 x täglich eine Tablette eines
homöopathischen Mittels kann auch helfen, ist aber
gefährlich, da eine unfreiwillige
Arzneimittelprüfung stattfinden kann.
Die Verabreichung
mehrerer Mittel gleichzeitig oder eines
Komplexmittels (d.h. ein Mittel, das aus mehreren
homöopathischen Einzelmitteln zusammengesetzt ist)
ist nicht Klassische Homöopathie. Sie werden gerne
von Ärzten und auch Heilpraktikern angewandt, weil
sie leichter und schneller zu verschreiben sind als
individuelle Einzelmittel. Sie wirken zweifellos
auch oft gut, aber sie können nicht wirklich heilen
und machen den Patienten unsensibel gegenüber einer
korrekten Einzelmitteltherapie. Komplexmittel sind
in ihrer Zusammensetzung auch nicht geprüft, d.h.,
man weiß eigentlich gar nicht was man tut und so
schwächt man eher die Selbstheilungskräfte, als sie
zu stärken.
Etwa 90 % der
Verschreiber homöopathischer Mittel beherrschen die
Klassische Homöopathie nicht, sondern reproduzieren
Halbwissen aus Kurzfortbildungen. Die Komplexmittel
sind bei Ärzten und auch Heilpraktikern eine gerne
angewandte schnelle und vermeintlich „ungefährliche„
Verschreibung. Auch die häufig verschriebenen
D-Potenzen wurden von Hahnemann selbst nicht
angewandt; sein Schüler und Mitarbeiter Dr. Hering
beschrieb sie nach einer Testphase als „zu hart“ und
„dass sie die Lebenskraft mehr anregten als nötig“.
Zeichen der
Heilung
Eines der
bedeutendsten Heilgesetze wurde von Constantin
Hering (1800-1880) formuliert:
„Die Heilung
verläuft von oben nach unten, von innen nach außen,
von den wichtigen zu den unwichtigeren Organen und
in der umgekehrten Reihenfolge, in der die Symptome
aufgetreten sind“.
Das heißt, der
Verlauf könnte folgendermaßen sein: Erst geht es dem
Patient „besser“, dann verschwinden Beschwerden
seiner inneren Organe, zuletzt bessern sich Symptome
am Gelenkapparat und an der Haut. Eine bloße
Symptomunterdrückung oder -verschiebung (wie sie mit
allen Therapien möglich ist) macht den Menschen
insgesamt kränker. Ein Beispiel für
Symptomunterdrückung wäre z.B. eine Hauterkrankung,
sagen wir sie hieße Neurodermitis; der Hautarzt
verschreibt eine Cortisonsalbe und der Hautausschlag
verschwindet. Das ist erst einmal sehr angenehm, hat
jedoch nichts mit Heilung zu tun; denn entweder wird
der Ausschlag wieder kommen oder im ungünstigeren
Fall - häufig nach mehrmals durchgeführten
Unterdrückungen - ein wichtigeres Organsystem
befallen, z.B. die Lunge, plötzlich hat der Patient
keine Neurodermitis mehr, sondern Asthma! Nun geht
man nicht mehr zum Hautarzt, sondern zum
Lungenspezialist - und der Hautarzt erklärt
womöglich die Hauterkrankung als „geheilt“. Aber
dies kann keine wirkliche Heilung sein, sondern nur
Symptomenverschiebung! Wirkliche Heilung ist mit der
derzeitigen Schulmedizin kaum möglich.
Erstverschlimmerung
Manchmal erscheint
bei der homöopathischen Behandlung eine
vorübergehende Verschlimmerung der Symptome, die
sog. „Erstverschlimmerung“. Sie tritt nicht immer
auf, aber wenn sie auftritt, ist sie als positiv zu
bewerten und ein Zeichen dafür, dass ein
tiefgreifender Heilungsprozess im Gange ist. Dieses
Phänomen beobachtet man vor allem bei der Behandlung
chronischer Krankheiten; bei Kindern mit akuten
Beschwerden taucht es kaum auf.
Grenzen und
Risiken der Homöopathie
Richtig angewandt,
gibt es eigentlich kaum Grenzen und fast keine
Risiken!
Homöopathische
Mittel sind nicht allmächtig. Sie können z.B. nicht
bewirken, dass einem Kind ein abgetrenntes Glied
nachwächst oder wenn durch einen Unfall Gehirnzellen
beschädigt worden sind, können sie sie nicht
nachbilden. Auch sind manche chirurgische Eingriffe
nicht durch Homöopathie zu ersetzen.
Bei bestimmten
Beschwerden kann man sie aber parallel zu anderen
Therapieverfahren einsetzen; z.B. kann das
Zusammenwachsen von gebrochenen Knochen durch
homöopathische Mittel beschleunigt werden.
Außerdem ist es
nicht immer einfach, das individuell geeignete
homöopathische Mittel zu finden. Deshalb gelingt
gelegentlich eine Heilung auf diese Weise nicht oder
nur teilweise. Was nicht einen Mangel an der
Homöopathie bedeutet, sondern nur, dass eben der
behandelnde Homöopath nicht das individuelle Mittel
findet. Manchmal erfordert die Behandlung auch etwas
mehr Mitarbeit und Geduld vom Patienten, die sich
jedoch am Ende fast immer auszahlt. Manches erreicht
man eben nur durch Dranbleiben und Durchhalten.
Umgekehrt kann ein
Fall auch so einfach gelagert sein, dass in einer
einzigen Sitzung schon das richtige Arzneimittel
gefunden wird und so die Behandlung schon gleich
wieder beendet werden kann.
Passt einmal ein
Arzneimittel gar nicht, so passiert i.d.R. überhaupt
nichts, es geht durch den Patienten hindurch wie
z.B. Radiowellen oder Licht durch ein Glas Wasser;
der Körper hat keine Resonanz dazu und reagiert
nicht. Patienten, die starke Medikamente einnehmen
oder über längere Zeit eingenommen haben, sind
schwieriger zu behandeln, weil ihre natürlichen
Symptome von den Medikamenten überdeckt werden.
Prinzipiell gibt es
keine Gegenindikation für homöopathische Mittel, man
kann sie also bei jeder Form von Krankheit anwenden,
also auch bei seelischen oder geistigen Krankheiten
oder auch bei Säuglingen oder Tieren. Es ist jedoch
immer eine Herausforderung für den Homöopathen, das
richtige Mittel, möglichst das Similimum (= das
ähnlichste Mittel) herauszufinden, mit dem der
Patient schnell, sanft und sicher geheilt wird. Aber
auch der etwas langwierigere Weg über verschiedene,
gut ausgewählte Similes, d.h. ähnliche Mittel
funktioniert gut. Die Homöopathie bietet echte
Heilungschancen, auch in chronischen Fällen, bei
denen die Schulmedizin passen muss. |